dtlEntscheidung für den direkten Verbleib in der 3. Bundesliga fällt am vorletzten Gerät.
Es war zu erwarten, dass die letzte Begegnung der diesjährigen Saison eine spannungsgeladene Partie sein werde. Der TV Hösbach im heimischen Kultur- und Sportpark gegen den Dauerrivalen um den Abstieg die TSG Sulzbach. Ein Zufall, dass diese Begegnung auf das Ende der Saison fällt? Wohl kaum. Es ging wieder einmal um alles. Der TV Hösbach musste zumindest drei Geräte gewinnen um den Klassenerhalt zu sichern, während die Turner von der TSG Sulzbach mindestens den Gewinn des Wettkampfes und zusätzlich vier gewonnene Geräte brauchten um sich an Hösbach vorbei zu schieben. Beide Mannschaften traten nicht nur in bester Besetzung, sondern auch mit vielen Fans zum Wettkampf an. Die Tribüne des Kultur- und Sportparks war bis auf den letzten Platz gefüllt. Um 18 Uhr begann der Showdown in dem sich beide Mannschaften den relegationslosen Verbleib in der 3. Bundesliga Nord sichern wollten.


Die beiden Mannschaften kennen sich schon lange. Die Trainer und Turner wissen, welche Stärken und welche Schwächen die andere Mannschaft hat. Zusätzlich sind die Ergebnisse der vorherigen Wettkämpfe bekannt. Die Rechenprognosen am Boden zeigten, dass es gleich am Anfang eng werden würde, wer das erste Geräte für sich entscheidet. Was nutzen jedoch alle Prognosen, wenn die Aufregung nicht mitberechnet werden kann. Der Versuch des TV Hösbach konzentriert zu starten und direkt die ersten beiden Gerätepunkte zu gewinnen scheiterte. Im ersten Duell war es die TSG Sulzbach die vorlegte. Ein sauberer Vortrag der Gäste, den Florian Zang mit einer guten Übung hätte kontern können. In der ersten Bahn unterlief ihm ein Fehler und er musste die Bodenfläche verlassen. Extra Abzüge, welche in vier Scorepunkten für die Gäste resultierten. Den Start hatte sich so niemand ausgerechnet und schon gar nicht gewünscht. Felix Berninger konnte mit einer guten Übung die Scores für Johannes Krick in Schach halten. Obwohl dieser fünf Zehntel mehr Ausgang hat, gibt der TV Hösbach nur 2 Scores an die Gäste ab. Bisher lief es zwar nicht perfekt, doch der Boden war noch nicht verloren. Die zwei Asse die Trainer Marco Stürmer im Ärmel hatte, sollten den Gewinn des ersten Gerätes noch sichern. Sergejs Poznakovs legte im dritten Duell vor. Der sonst souveräne Punktegarant hatte Schwierigkeiten bei seinem Doppelsalto rückwärts in der ersten Bahn und musste mit den Händen auf den Boden greifen. Die TSG Sulzbach konterte mit ihrem besten Turner am Boden. Felix Fischer zeigte dem Hösbacher Gastturner Poznakovs wie ein Doppelsalto rückwärts zu turnen ist. Gegen diese Übung Punkte für Hösbach zu holen wäre für Poznakovs selbst ohne Sturz sehr schwer geworden. Zurecht gibt es weitere drei Scores für Sulzbach. Das hatte man sich etwas anders vorgestellt. Im vierten Duell sollte Max Lang Schadensbegrenzung betreiben und die Sulzbacher nicht noch weiter davonziehen lassen. Den Boden noch zu gewinnen, wäre nur noch durch 10 Scorepunkte für Hösbach möglich gewesen, was sehr unwahrscheinlich war. Max beginnt ebenfalls wie Poznakovs mit dem Doppelsalto rückwärts gehockt und auch er hat Probleme bei der Landung. Lang bringt seine Übung gut zu Ende. Es gibt vier Scores für Hösbach. Gejubelt wurde wenig, denn Langs Kontrahent Michael Krick verletzt sich in der letzten Bahn und musste zunächst behandelt werden.
Eine Verletzung, die an diesem Tag leider keine Ausnahme war. Der Hösbacher Lukas Bergmann verdrehte sich beim Einturnen seines Barrenabgangs das Knie und war für den gesamten Wettkampf nicht einsetzbar. Später traf es noch Felix Berninger am Sprung, der seinen Wettkampf zum Glück noch fortsetzten konnte.

Die Verletzung des Sulzbachers war zunächst ein Schock für beide Mannschaften. Die schlechten Übungen am Seitpferd hatten ihren Ursprung jedoch nicht hierin. Die TSG Sulzbach und der TV Hösbach wissen von den jeweiligen Defiziten an diesem Gerät. Umso überraschender waren die fünf Punkte im ersten Duell für Flo Zang, welche unter anderem auf ein fehlendes Element des Gegners zurückzuführen sind. Der TV Hösbach gleicht mit 9:9 Scorepunkten wieder aus. Im zweiten Duell war es Felix Berninger der nach seiner Übung jubelte. Zum ersten Mal in dieser Saison ohne Absteiger und gegen die souveräne Darbietung von Gegner Jörg Friedrich dennoch machtlos. Berninger gab vier Scores ab. Die Vorlage von Sulzbach im dritten Duell am Seitpferd kontert Poznakovs gewohnt sicher und holt erneut fünf Zähler für Hösbach. Im letzten Duell musste Fabian Scherer für den verletzten Lukas Bergmann einspringen. Bergmann wollte in Manier des Nationalturners Andreas Toba trotz Verletzung ans Gerät gehen. Trainer Stürmer war die Gesundheit des Nachwuchses wichtiger und setze Scherer. Für Sulzbach holte Johannes Krick in diesem Duell drei Punkte. Die Menge durfte trotzdem applaudieren. Mit 10:7 ging das Seitpferd an den TV Hösbach. Noch zwei Geräte mussten gewonnen und der Klassenerhalt war geschafft.
An den Ringen waren beide Mannschaften ungefähr gleich stark. So endete das erste Duell zwischen Daniel Schösser, dessen Stammverein der TV Großostheim ist, und Tobias von Roo in einem Unentschieden. Benjamin Junker konnte in der zweiten Begegnung zwar seinen Handstand gerade noch retten, musste durch diese Unsicherheit jedoch einen Score abgeben. Die Vorlage von Sergejs Poznakovs brachte dem TV Hösbach die ersten vier Scorepunkte an den Ringen. Im letzten Duell hatte Felix Berninger keine Chance gegen die kraftgeladene Übung von Johannes Krick. Mit vier Scorepunkten in der vierten Begegnung hieß es 4:5 an den Ringen und 18:21 zur Pause.
Nach der Pause waren die Hösbacher Turner wie ausgewechselt. Konzentriert, sauber und sicher turnten sie auf. Die gewonnene Souveränität demonstrierten sie direkt am Sprung. Am vierten Gerät ließen die Turner des TVH keinen Scorepunkt der Sulzbacher Gäste zu. Florian Zang (1), Max Lang (4), Felix Berninger (Unentschieden) und Sergejs Poznakovs (3) brachten den TV Hösbach mit 26:21 in Führung. Einen Vorsprung, den man bis zuletzt nicht mehr verlor.
Während des Wettkampfes war klar, dass wenn der Barren gewonnen wird, der direkte Klassenerhalt geschafft ist. Am vorletzten Gerät durfte die TSG Sulzbach vorlegen. Florian Krick zeigte eine sehr saubere Übung, welche mit einem seitlichen Abschwingen endete. Verletzungen geschuldet turnt der Sulzbacher keine Abgänge mehr. Mit dem Abgang haderte auch Florian Zang in dieser Saison. Mehrmals konnte er den Rückwärtssalto mit ganzer Schraube nicht zum Stand bringen. An diesem Tag passte jedoch alles. Ohne Fehler in der Übung gingen zwei Scores auf das Konto des TV Hösbach. Felix Berninger turnte seine Übung trotz vorheriger Verletzung am Sprung fehlerfrei durch. Landete fast einbeinig und unterlag in seinem Duell dennoch dem höheren Ausgangswert von Tobias von Roo. Drei Scores für den Gegner. Auch die sehr saubere Übung von Daniel Schösser, der für Lukas Bergmann ans Gerät ging, reichte nicht gegen den wesentliche höheren Ausgangswert von Andreas Tomschin. Im dritten Duell punktete die TSG Sulzbach mit zwei Scorepunkten. Als letzter Turner am Barren rettete Sergejs Poznakovs die Gerätewertung mit vier heimischen Scores. Der hohe Duellgewinn bedeutet, dass die Gerätewertung am Barren an den TV Hösbach geht und damit das dritte Gerät mit 6:5 gewonnen ist. Es dauerte einen Moment. Dann hatten es die Hösbacher Turner verstanden. Es war geschafft! Egal wie der Wettkampf noch enden sollte, der TVH bleibt in der Tabelle vor der TSG Sulzbach und muss nicht in die Relegation.
Beendet war der Wettkampf jedoch erst nach dem Königsgerät Reck und auch hier wollten die Turner noch zeigen, was sie können. Das Ziel vor dem Wettkampf war es nicht gewesen drei Gerätepunkte zu holen, sondern auch den gesamten Wettkampf zu gewinnen. Den Start am letzten Geräte machte Daniel Schösser. Auf den Routinier vom TV Großostheim ist Verlass. Die saubere Übung von Schösser konnte allerdings nicht gegen den höheren Ausgangswert von Florian Krick standhalten. Obwohl dieser wieder ohne wertigen Abgang vom Gerät ging sicherte er drei Scorepunkte für die TSG Sulzbach. Der hessische Gegner war mit 32:29 wieder bis auf drei Zähler herangekommen. Als zweiter Turner für Hösbach legte Max Lang vor. Die gute Übung beendete er mit einem Tsukahara gestreckt. Der höhere Ausgangswert brachte Lang im Duell gegen Michael Krick zwei Scores ein. Krick der sich am Boden verletzt hatte, musste zwar Sprung auslassen, da er nicht rennen konnte, starte dennoch am Reck und turnte sauber. Selbst den Abgang turnte er mit zusammengebissenen Zähnen mehr oder weniger einbeinig in den Stand. Benjamin Junker hatte in seinem Duell das Nachsehen und gab zwei Scores gegen Thorsten Weiß ab. Vor dem letzten Duell in der Saison 2017 stand es 34:31. Ein Zwischenstand der die enge Begegnung sehr gut widerspiegelt. Dass Jörg Friedrich Probleme bei seiner Übung Probleme hatte und ein Element nicht anerkannt bekam verfälscht das Ergebnis. Sergejs Poznakovs holte im letzten Duell zehn Scorepunkte für Hösbach. Ein Umstand der das Ergebnis von 44:31 deutlicher aussehen lässt, als der Wettkampf letztendlich war.
Dennoch ist es für den TV Hösbach und seine zahlreichen Fans ein Grund zum Jubeln. Zum zweiten Mal nacheinander schafft man den direkten Klassenerhalt. Mit 277,50 Punkten zeigten die Hösbacher Turner das beste Ergebnis der Saison und stehen am Ende auf Platz sieben der Tabelle.
Den Turnern aus Sulzbach wünscht der TV Hösbach viel Erfolg bei der Relegation, damit es auch in der nächsten Saison wieder zu solch spannenden Derbies kommen kann. Hoffentlich sind alle Verletzten wieder schnell Einsatz bereit. Die Turner die sich trotz Verletzungen im Bilde des „Hero de Janeiro“ Andi Toba durchgebissen haben und vor allem die siegreichen Turner des TVH sind die wahren Heroes de Hösbach.